Reduzieren – Wiederverwenden – Recyceln:
Wie schneidet EPDM Dabei ab?

Abfall ist ein zentrales Thema in Diskussionen über die Bekämpfung des Klimawandels. Reduzierung, Wiederverwendung und Recycling sind die Gebote, die für alle gelten. Dennoch gibt es Bereiche, in denen der Materialverwendung eine ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Das Baugewerbe ist sicherlich einer dieser Bereiche, da Bau- und Abbruchabfälle etwa 25 bis 30 % des gesamten Abfallaufkommens in der EU ausmachen. EPDM kann dazu beitragen, die Umweltauswirkungen von Gebäuden erheblich zu reduzieren. Und das aus gutem Grund.

Die Probleme mit Deponiegasen und Luftqualität verschärfen sich durch die Entsorgung steigender Abfallmengen. Deshalb sucht die Bauindustrie nach langfristigen Lösungen, die nicht nur Geld sparen, indem sie die Lebensdauer von Gebäuden verlängern, sondern auch den Bedarf an Energie und anderen natürlichen Ressourcen reduzieren.

Den unnötigen Austausch von Materialien beenden, gebrauchte Materialien wiederverwenden und recyceln, was nicht wiederverwendet oder umgewandelt werden kann: Solche Maßnahmen praktizieren bereits viele Hersteller von Bedachungssystemen. Die Frage der Nachhaltigkeit ist auch für die Architekten, die Materialien für ihre Entwürfe auswählen, zentral geworden, und Dachabdichtungsmembranen bilden da keine Ausnahme.

Langlebigkeit ist der Schlüssel

Was macht ein Dach nachhaltig? Zunächst einmal geht es darum, möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen. Zweitens ist es eine Frage der Haltbarkeit: Je länger ein Dach hält, desto besser. Schließlich sollten Materialien verwendet werden, die wiederverwendet oder recycelt werden können.

Im Allgemeinen haben Dachabdichtungsmembranen jeweils zum Zeitpunkt ihrer Herstellung und Entsorgung die höchsten Umweltauswirkungen, ausgedrückt in GWP – Global Warming Potential (Treibhauspotenzial) oder CO₂. Das bedeutet, dass der vorzeitige Ausfall eines Daches nichts Geringeres als eine Umweltkatastrophe darstellt, insbesondere wenn man die versteckten Umweltkosten wie die zusätzlichen Herstellungs-, Arbeits-, Logistik-, Abriss- und damit verbundenen Energiekosten berücksichtigt, die für den Ersatz eines Dachabdichtungssystems erforderlich sind. Wenn jedoch die Haltbarkeit eines Daches höher ist und durch Reparaturen weiter verbessert werden kann, werden die Gesamtauswirkungen auf die Umwelt drastisch reduziert. Es besteht kein Zweifel, dass die Wahl eines langlebigen Dachabdichtungssystems ein wichtiger Teil des Entwurfsprozesses für jeden ist, der umweltbewusst handeln möchte. EPDM-Dachabdichtungsmembranen sind eine Lösung, die alle Kriterien einer umweltverträglichen Kreislaufwirtschaft erfüllen.
 

EPDM-Eigenschaften 

EPDM-Dachabdichtungsmembranen sind zu 100 % vulkanisierte Folien, die aus dem Synthesekautschuk Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer hergestellt werden. Sie wurden erstmals in den 1960er-Jahren in der Dachindustrie eingeführt und werden seither weltweit in allen Klimazonen eingesetzt. Die Herstellung von EPDM-Dichtungsbahnen hat einen niedrigen grauen Energiewert (der Wert gibt die Energie an, die für ein Produkt von der Materialgewinnung, Herstellung und Verarbeitung bis zur Entsorgung benötigt wird).

Studien belegen, dass EPDM-Dachabdichtungsmembranen in der Nutzungsphase im Vergleich zu anderen Dachbaustoffen eine außergewöhnliche Haltbarkeit aufweisen (siehe z. B. die Studie „Beurteilung der Nutzungsdauer von EPDM-Dachabdichtungsfolien“ vom Süddeutschen Kunststoff-Zentrum). Bei einer extrem hohen Lebenserwartung von mehr als 50 Jahren bleiben EPDM-Dachabdichtungsmembranen auch dank ihrer hohen Beständigkeit gegen Ozon, UV-Strahlung, Mikroorganismen und Witterungseinflüsse wie beispielsweise Hagel über die gesamte Gebrauchsdauer stabil und unverändert.

Ein weiterer bedeutender Faktor ist die hervorragende Elastizität der EPDM-Dichtungsbahnen. Selbst bei extremen Temperaturschwankungen dehnen sie sich leicht aus und ziehen sich wieder zusammen, angepasst an die potenziellen Gebäudebewegungen. Deshalb können EPDM-Dichtungsbahnen in zahlreichen Klimazonen eingesetzt werden, von den Minusgraden in Alaska bis hin zu den sonnenverbrannten Landschaften des Nahen Ostens. Nicht zuletzt enthalten sie keine flüchtigen Bestandteile oder Stoffe, die mit der Zeit migrieren oder zerfallen können, wie zum Beispiel Weichmacher oder Antioxidantien, sodass auch nach mehreren Jahrzehnten der Exposition keine Gefahr besteht, dass das Material spröde wird oder reißt.

Greenpeace, GreenTeam und das niederländische Institut für Baubiologie und -ökologie (NIBE) haben EPDM-Dachabdichtungsmembranen als die Dachabdeckung mit den geringsten Umweltauswirkungen eingestuft. Die von NIBE alle zwei Jahre durchgeführte Bewertung berücksichtigt sowohl die Anschaffungskosten (Material- und Verlegungskosten) als auch sämtliche versteckte Umweltkosten (Rohstoffverbrauch, Energieverbrauch bei der Herstellung usw.) der verschiedenen Dachabdichtungsmaterialien. Das Ergebnis dieser vergleichenden Einstufung zeigt, dass mechanisch befestigte und vollflächig verklebte EPDM-Dachabdichtungsmembranen die niedrigsten versteckten Umweltkosten aufweisen, was sie zur umweltfreundlichsten Flachdachdeckung macht.

Zusätzlich zu ihrer geringen ursprünglichen Umweltbelastung und ihrer bemerkenswerten Haltbarkeit sind EPDM-Dachabdichtungen leicht zu reparieren, was bedeutet, dass ihre Lebensdauer über 50 Jahre hinaus verlängert werden kann. Außerdem sind sie sehr anpassungsfähig. Selbst mehrere Jahrzehnte nach der Erstverlegung können Dachdetails geändert, Oberlichter, Dachlüfter und andere Dachöffnungen hinzugefügt werden, ohne dass die Membran entfernt werden muss.

Dank dieser Eigenschaften können EPDM-Dachabdichtungsmembranen eine Schlüsselrolle spielen, wenn es darum geht, höchste Punktzahlen in anerkannten Bewertungssystemen für nachhaltiges Bauen wie BREEAM® und LEED® zu erzielen. Diese Programme bewerten Gebäude nach der Effizienz, mit der sie natürliche Ressourcen nutzen, und nach ihren Gesamtauswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Die Umweltfreundlichkeit von EPDM wird weiter gesteigert durch seine Eignung für die Anwendung auf aktiven Dächern: Gründächer, Solardächer und Wasserauffangdächer (sogenannte „blaue Dächer“).
 

Recycling und Wiederverwendung von EPDM

Am Ende ihrer Lebensdauer können EPDM-Dachabdichtungsmembranen entweder wiederverwendet oder recycelt werden. EPDM-Dichtungsbahnen, die mit Hilfe von Ballast (Flusskies oder Pflastersteinen) fixiert wurden, lassen sich einfach entfernen und auf ein anderes Dach verlegen. Membranen, die mechanisch befestigt wurden, können auch durch Entfernen der Befestigungselemente wiedergewonnen werden.

Eine weitere Möglichkeit der Wiederverwendung von EPDM-Dachabdichtungsmembranen ist das Downcycling. Dank ihrer stabilen Zusammensetzung können sie zu kleineren Kautschuk-Verbindungen zermahlen und für zahlreiche Anwendungen mit hohem Mehrwert wie Sportbahnen, Straßenbeläge oder Gummimatten für Kinderspielplätze usw. genutzt werden. Bestandteile wie Ruß können ebenfalls aus EPDM extrahiert und entweder als Füllstoffe in neuen EPDM-Dichtungsbahnen oder als Verbindungen für verschiedene Materialien wiederverwendet werden. Die Wiederverwendung von EPDM-Dichtungsbahnen trägt dazu bei, den Bedarf an neuen Rohstoffen zu verringern, und ermöglicht einen verantwortungsvolleren Umgang mit natürlichen Ressourcen. Solche Downcycling-Produkte sind zudem fast unbegrenzt recycelbar.

Wenn Wiederverwendung oder Downcycling nicht in Frage kommen, können EPDM-Dichtungsbahnen recycelt werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, wie zum Beispiel chemisches und mechanisches Recycling, Pyrolyse, Devulkanisierung usw. Das Recycling sollte jedoch nur als letzte Option vor der Deponierung/Verbrennung in Betracht gezogen werden, da der Energie- und Ressourcenbedarf für das Recycling in den meisten Fällen wesentlich höher ist als der für die Herstellung von Neuprodukten.